Online-Shop erstellen lassen: Kosten, Plattformen und was du wirklich brauchst
Wenn du einen Online-Shop erstellen lassen willst, ist die erste ehrliche Wahrheit: Der Shop selbst ist selten das teuerste oder schwierigste Stück. Teurer wird es durch die Dinge drumherum - Produktdaten, Zahlung, Versand, Steuern, rechtliche Pflichten und der laufende Betrieb. Dieser Artikel ordnet die Plattformen ein, nennt realistische Kostenrahmen und hilft dir zu entscheiden, was du wirklich brauchst und was du dir sparen kannst.
Die drei Wege: Shopify, WooCommerce oder Eigenentwicklung
Es gibt nicht den einen besten Shop, sondern drei sinnvolle Wege - je nachdem, wie viele Produkte du hast, wie speziell deine Abläufe sind und wie viel du monatlich tragen willst.
- Shopify ist eine gehostete Komplettlösung. Du zahlst eine Monatsgebuehr (je nach Plan grob 30 bis 350 EUR), bekommst dafuer Hosting, Sicherheit, Updates und einen riesigen App-Store. Ideal, wenn du schnell verkaufen willst und keine eigene IT betreiben moechtest. Nachteile: Transaktionsgebuehren bei externen Zahlungsanbietern, Abhaengigkeit von der Plattform und Apps, die monatlich Geld kosten und sich summieren.
- WooCommerce ist ein Plugin fuer WordPress. Du besitzt alles selbst, hast volle Kontrolle und keine Lizenzgebuehr fuer das System. Dafuer kuemmerst du (oder dein Dienstleister) dich um Hosting, Backups, Updates und Sicherheit. Gut, wenn du ohnehin auf WordPress setzt, Content und Shop verbinden willst oder spezielle Anpassungen brauchst.
- Eigenentwicklung heisst: ein Shop, der genau auf deinen Prozess gebaut ist. Das lohnt sich nur, wenn Standardsysteme an ihre Grenzen stossen - etwa bei sehr grossen Produktkatalogen, komplexen Konfiguratoren, B2B-Preislogik oder tiefer Anbindung an ERP und Lager. Fuer einen normalen Shop mit 50 oder 500 Produkten ist Eigenentwicklung fast immer der falsche, teuerste Weg.
Wir betreiben sieben eigene Marken in Produktion, darunter ein Kosmetik-Produktportal mit rund 177.000 Produkten. Aus dieser Erfahrung wissen wir: Sobald Datenmengen oder Filterlogik gross werden, entscheidet die saubere Datenstruktur ueber Erfolg oder Frust - nicht das huebsche Theme. Bei kleinen Katalogen dagegen ist genau diese Komplexitaet unnoetig.
Was kostet es realistisch?
Pauschale Werbepreise sind unserioes, weil der Aufwand stark vom Funktionsumfang abhaengt. Als grobe Orientierung fuer einen Shop, der professionell erstellt wird:
- Sehr kleiner Shop (wenige Produkte, Standard-Theme, eine Zahlungsart): Hier reicht oft ein schlankes Setup im Bereich eines One-Pagers bis Multi-Page-Projekts (etwa 2.000 bis 8.000 EUR), je nach Design und Datenpflege.
- Mittlerer Shop mit CMS (mehrere Kategorien, Content-Seiten, Versand- und Steuerlogik, mehrere Zahlungsarten): meist im mittleren vier- bis unteren fuenfstelligen Bereich.
- Spezielle Features oder Custom-Logik (Konfigurator, B2B-Staffelpreise, ERP-Anbindung): ab etwa 9.000 EUR aufwaerts, bei groesseren SaaS- oder Plattform-Builds entsprechend mehr.
Wichtig sind die laufenden Kosten, die viele unterschaetzen: Hosting, Domain, SSL, eventuelle App-Abos, Zahlungsgebuehren (meist rund 1 bis 3 Prozent plus Fixbetrag pro Transaktion) und Wartung. Plane diese monatlichen Posten von Anfang an ein - ein billig gebauter Shop ohne Wartungsbudget wird schnell teurer als ein solide geplanter.
Was du wirklich brauchst - und was nicht
Viele Shop-Projekte scheitern nicht an fehlenden Funktionen, sondern an zu vielen. Konzentriere dich auf das, was Umsatz bringt:
- Saubere Produktdaten: gute Bilder, klare Beschreibungen, korrekte Preise und Bestaende. Das ist Arbeit, die dir kein Dienstleister komplett abnimmt.
- Funktionierende Zahlung und Versand: zwei bis drei Zahlungsarten reichen am Anfang. Mehr verwirrt eher.
- Rechtssicherheit: Impressum, Datenschutz, Widerruf, AGB, Cookie-Banner, korrekte Steuersaetze. Das ist in Deutschland Pflicht und kein optionales Extra.
- Mobile Performance: Der Grossteil deiner Kunden kauft am Handy. Ein schneller, einfacher Checkout schlaegt jedes aufwendige Design.
Was du meistens nicht sofort brauchst: ein vollintegriertes ERP, eine Eigenentwicklung, Dutzende Apps, ein Kundenkonto-Zwang oder eine aufwendige Personalisierung. Solche Dinge kannst du nachruesten, wenn dein Shop laeuft und du echte Zahlen hast - vorher sind sie reine Kostentreiber.
Festpreis statt Stundenfalle
Wenn du einen Online-Shop erstellen lassen willst, achte auf einen klar definierten Festpreis mit fixem Leistungsumfang. So weisst du vorher, was du bekommst, und vermeidest die typische Stundenfalle, bei der jede Aenderung neu abgerechnet wird. Ein serioeser Anbieter sagt dir auch, wenn die guenstigere Standardplattform fuer dich voellig ausreicht - und redet dir keine teure Eigenloesung ein, die du nicht brauchst. Genau diese Ehrlichkeit spart dir am Ende am meisten Geld.
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Projekt startenLeistungen & Preise Versteckte Kosten nach dem Launch
Der Moment, in dem ein Shop online geht, fühlt sich wie das Ziel an - ist aber erst der Anfang der eigentlichen Kostenrechnung. Domain und Hosting laufen unabhängig davon weiter, ob du verkaufst oder nicht. Dazu kommen App-Abos für Funktionen, die im Grundpaket der Plattform fehlen: Bewertungen, Upselling, erweiterte Suchfilter, Buchhaltungsanbindung. Jede einzelne App wirkt für sich günstig, in Summe können mehrere Abos den monatlichen Betrieb spürbar verteuern.
Ein zweiter blinder Fleck ist der Support-Aufwand nach dem Launch. Produktbilder ändern sich, Preise müssen gepflegt werden, saisonale Kampagnen brauchen neue Landingpages, ein Plugin-Update bricht plötzlich das Layout. Wer dafür keinen Wartungsvertrag oder zumindest ein Zeitbudget einplant, landet bei teuren Einzelaufträgen zur Unzeit - meist genau dann, wenn etwas dringend gelöst werden muss.
Auch Zahlungsdienstleister verdienen an jeder Transaktion mit, und die Gebührenstruktur unterscheidet sich je nach Anbieter und Zahlungsart. Kreditkarte, Rechnungskauf oder Ratenzahlung haben unterschiedliche Konditionen, und wer mehrere Zahlarten anbietet, jongliert mehrere Verträge gleichzeitig. Diese Kosten gehören von Anfang an in die Kalkulation der Verkaufspreise, statt erst bei der ersten Abrechnung aufzufallen.
Rechtstexte, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung sind ebenfalls keine einmalige Aufgabe. Ändert sich das Sortiment, das Zielland oder die Rechtslage, müssen diese Texte nachgezogen werden - im Idealfall von jemandem mit rechtlichem Hintergrund, nicht per Copy-Paste aus einem fremden Shop.
So vergleichst du Angebote fair
Drei Angebote nebeneinanderzulegen bringt wenig, wenn sie unterschiedliche Dinge versprechen. Bevor du Preise vergleichst, lohnt sich eine feste Liste an Fragen, die du jedem Anbieter stellst: Wie viele Produkte und Varianten sind im Preis enthalten? Wer pflegt die erste Produktbefüllung ein - du oder der Dienstleister? Sind Zahlungsanbindung, Versandmodule und rechtliche Grundausstattung bereits im Angebot oder werden sie separat berechnet?
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Definition von "fertig". Manche Anbieter liefern ein technisch funktionierendes Grundgerüst, andere einen Shop, der inhaltlich bespielt und getestet ist. Frag konkret nach, was am Übergabetag tatsächlich live steht und was danach noch von dir selbst erledigt werden muss.
Achte auch auf die Abrechnungsform. Ein Festpreis mit klar definiertem Leistungsumfang schützt dich vor der Stundenfalle, bei der jede kleine Änderung während der Bauphase separat berechnet wird. Frag nach, was passiert, wenn während des Projekts neue Anforderungen dazukommen - ein seriöser Anbieter nennt dir dafür ein klares Verfahren, statt einfach weiterzuzählen.
Referenzen sind mehr wert als Werbeversprechen. Bitte um Beispiele bestehender Shops, idealerweise aus einer ähnlichen Branche oder Größenordnung wie deiner, und schau dir an, wie sie sich bedienen lassen - nicht nur, wie sie aussehen. Ein Shop, der gut aussieht, aber sich beim Bestellprozess umständlich anfühlt, kostet dich am Ende Umsatz, egal wie günstig er in der Erstellung war.
Wechsel eines bestehenden Shops
Nicht jeder Shop entsteht auf der grünen Wiese - oft soll ein bestehendes System abgelöst werden, weil die alte Plattform an ihre Grenzen stößt oder die laufenden Kosten zu hoch geworden sind. Ein solcher Wechsel bringt eigene Aufgaben mit, die bei einem Neubau nicht anfallen.
Zuerst müssen Produktdaten, Kundenkonten und bestehende Bestellhistorien aus dem alten System exportiert und in das neue überführt werden. Je nach Ausgangsplattform ist das ein sauberer, automatisierter Vorgang oder mühsame Handarbeit - das lässt sich vorab meist gut einschätzen, wenn der Anbieter Erfahrung mit der jeweiligen Ausgangsplattform hat.
Genauso wichtig ist die technische Seite der Sichtbarkeit: Bestehende Produktseiten haben oft schon Google-Rankings und eingehende Links. Ändern sich beim Wechsel die URLs, müssen Weiterleitungen eingerichtet werden, damit diese Sichtbarkeit nicht verloren geht. Wird das vergessen, kann ein technisch besserer neuer Shop trotzdem weniger Besucher bekommen als der alte.
Plane für einen Wechsel außerdem einen festen Umstellungstermin außerhalb der Hauptsaison ein. Ein Shopwechsel mitten im wichtigsten Verkaufsmonat ist ein vermeidbares Risiko.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Online-Shop im laufenden Betrieb?
Neben Hosting und Domain fallen Zahlungsgebühren pro Transaktion, eventuelle App-Abos und Wartungsaufwand an. Diese laufenden Posten summieren sich über das Jahr oft stärker als die einmalige Erstellung und sollten von Anfang an eingeplant werden.
Lohnt sich ein Baukasten wie Shopify oder WooCommerce für den Einstieg?
Für die meisten kleinen und mittleren Sortimente ja, weil Grundfunktionen wie Zahlung, Versand und Produktverwaltung bereits mitgeliefert werden. Erst bei sehr speziellen Abläufen oder sehr großen Datenmengen wird eine Eigenentwicklung sinnvoll.
Wie lange dauert es, bis ein Online-Shop fertig ist?
Das hängt stark vom Funktionsumfang, der Anzahl der Produkte und davon ab, wie schnell Inhalte und Produktdaten bereitstehen. Ein klar abgegrenzter Festpreis-Scope mit definierten Meilensteinen macht den Zeitrahmen deutlich planbarer.
Brauche ich für meinen Shop von Anfang an ein ERP-System?
In der Regel nicht. Ein vollintegriertes ERP lohnt sich meist erst, wenn Bestell- und Lagermengen so groß werden, dass manuelle Pflege nicht mehr trägt. Für den Start reicht oft die Warenwirtschaft der Shop-Plattform selbst.
Was passiert, wenn ich nach dem Launch noch Änderungen brauche?
Das ist normal und sollte vorab geklärt sein - entweder über ein Wartungsbudget, einen Supportvertrag oder klar definierte Nachträge zum Festpreis. Wichtig ist, dass du vorher weißt, zu welchen Konditionen spätere Änderungen abgerechnet werden.
Kann ich später auf eine andere Plattform umziehen?
Ja, das ist möglich, bedeutet aber Aufwand für Datenexport, Import und die Einrichtung von Weiterleitungen, damit bestehende Google-Rankings nicht verloren gehen. Je sauberer die Ausgangsdaten strukturiert sind, desto einfacher wird ein späterer Wechsel.
Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot?
Warnsignale sind vage Leistungsbeschreibungen ohne festen Umfang, reine Stundenabrechnung ohne Obergrenze und Anbieter, die dir unabhängig von deinem Bedarf immer die teuerste Lösung empfehlen. Ein seriöser Anbieter sagt dir auch, wenn eine günstigere Option für dich ausreicht.
Wie du Angebote verschiedener Anbieter vergleichst
Angebote fuer einen Online-Shop lassen sich selten auf den ersten Blick vergleichen, weil die genannten Summen unterschiedliche Dinge abdecken. Der eine Anbieter kalkuliert nur das Grundgeruest, der andere hat Produktimport, Zahlungsanbindung, Versandkonfiguration und einen Testlauf mit echten Bestellungen bereits eingerechnet. Bevor du Preise gegenueberstellst, pruefe deshalb zuerst den Leistungsumfang - sonst vergleichst du unterschiedliche Pakete miteinander, ohne es zu merken.
Ein brauchbares Angebot listet konkret auf, was enthalten ist: wie viele Produktseiten, welche Zahlungsarten, ob Mehrsprachigkeit dabei ist, wie viele Korrekturschleifen am Design vorgesehen sind und was passiert, wenn nach Abnahme noch Aenderungen anfallen. Frag außerdem nach, wem Design, Code und Produktdaten am Ende gehoeren. Bei manchen Baukastensystemen bleibt der Shop technisch an den Anbieter gebunden, auch wenn du ihn selbst bezahlt hast - das solltest du vor der Beauftragung klaeren, nicht danach.
Sinnvoll ist auch ein Blick auf die Uebergabe: Bekommst du eine kurze Einweisung, wie du selbst Produkte pflegst, Preise aenderst oder eine Aktion einstellst? Oder bist du fuer jede Kleinigkeit auf den Anbieter angewiesen? Diese Frage entscheidet oft mehr ueber die spaetere Zufriedenheit als der Preis selbst, weil ein Shop nach dem Launch nie fertig ist, sondern laufend gepflegt werden will.
Versteckte Kostenfallen nach dem Start
Der Blick auf den Startpreis blendet oft aus, was danach an Kosten dazukommt. Jede zusaetzliche App oder jedes Plugin - fuer Bewertungen, Rabattcodes, Lageranbindung oder Newsletter - bringt meist eine eigene monatliche Gebuehr mit. Nach ein bis zwei Jahren summieren sich diese Einzelposten oft zu einem Betrag, der die reinen Hosting-Kosten deutlich uebersteigt. Pruefe deshalb bei jeder neuen App, ob sie ein echtes Problem loest oder nur eine Funktion nachruestet, die du eigentlich selten nutzt.
Ein zweiter unterschaetzter Posten ist der Produktkatalog selbst: Fotos, Beschreibungstexte und Pflege der Bestaende kosten Zeit oder Geld, unabhaengig davon, welche Plattform du waehlst. Wer diesen Aufwand beim Start nicht einplant, steht nach dem Launch mit einem technisch fertigen, aber inhaltlich leeren Shop da. Auch ein Wechsel der Plattform ist teurer, als er zunaechst wirkt - Produktdaten, Bestellhistorie und individuelle Anpassungen lassen sich selten eins zu eins uebertragen, sodass ein spaeter Wechsel oft einem kleinen Neubau gleichkommt.
Kalkuliere deshalb von Anfang an mit einem Wartungspuffer: Sicherheitsupdates, gelegentliche kleine Anpassungen und die Pflege der Inhalte gehoeren genauso zum Shop wie das Design. Wer diesen Posten von Beginn an einplant, wird spaeter seltener von unerwarteten Rechnungen ueberrascht.
Zeitplan: was vor dem Livegang wirklich Zeit kostet
Wie lange ein Shop-Projekt bis zum Livegang braucht, haengt weniger an der Technik als an den Vorarbeiten auf deiner Seite. Produktdaten, Fotos, Texte, rechtliche Angaben und die Einrichtung des Zahlungsanbieters ziehen sich in der Praxis oft laenger hin als die eigentliche Umsetzung des Shops. Ein realistischer Zeitplan beruecksichtigt deshalb nicht nur die Bauzeit, sondern auch, wie schnell du selbst Inhalte liefern und Rueckfragen beantworten kannst.
Plane ausserdem eine Testphase vor dem eigentlichen Start ein: eine Bestellung mit echten Zahlungsdaten durchspielen, Versandkosten pruefen, Bestaetigungsmails kontrollieren. Kleine Fehler an dieser Stelle - eine falsche Versandregel, eine fehlende Steuerangabe - fallen sonst erst auf, wenn die ersten Kunden schon bestellt haben, und sind dann deutlich unangenehmer zu korrigieren als vorher.