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Die häufigsten Barrierefreiheits-Fehler auf Websites – und wie du sie behebst

Die meisten Barrierefreiheits-Probleme im Web sind nicht exotisch. Es sind immer wieder dieselben Handvoll Fehler – und genau das ist die gute Nachricht: Wenn du diese kennst, hast du den Großteil schon im Griff. Wir betreiben selbst sieben eigene Marken live in Produktion, darunter einen Barrierefreiheits-Scanner, und sehen täglich, welche Punkte auf realen Websites schiefgehen. Hier sind die häufigsten – mit konkreter Lösung statt Theorie.

1. Zu schwacher Farbkontrast

Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund sieht im Designtool elegant aus, ist aber für viele Menschen schlicht nicht lesbar. Das ist der mit Abstand häufigste Befund. Die WCAG verlangen für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1, für großen Text 3:1.

2. Fehlende oder sinnlose Alt-Texte bei Bildern

Screenreader lesen den Alternativtext vor, wenn ein Bild nicht gesehen werden kann. Fehlt er, hören Nutzer nur den Dateinamen wie „IMG_4821.jpg" – nutzlos. Genauso schlecht: ein Alt-Text wie „Bild" oder eine Aneinanderreihung von Keywords.

3. Website nicht per Tastatur bedienbar

Viele Menschen nutzen keine Maus – wegen motorischer Einschränkungen, Sehbehinderung oder einfach aus Gewohnheit. Wenn man mit der Tab-Taste nicht durch Menü, Links und Formulare kommt oder ein Dropdown sich nicht mit der Tastatur öffnen lässt, ist die Seite für sie unbenutzbar.

4. Unsichtbarer Fokus-Indikator

Eng verwandt mit Punkt 3: Wer per Tastatur navigiert, muss sehen, wo er gerade steht. Viele Designs entfernen den Fokusrahmen mit outline: none, weil er „stört" – und machen die Seite damit unbenutzbar.

  • So behebst du es: Entferne den Fokus nie ersatzlos. Gestalte stattdessen einen gut sichtbaren eigenen Fokus-Stil mit klarem Kontrast.

5. Formulare ohne verknüpfte Labels

Eingabefelder, deren Beschriftung nur als Platzhaltertext im Feld steht, sind ein Klassiker. Der Platzhalter verschwindet beim Tippen, und Screenreader können das Feld oft gar nicht zuordnen.

  • So behebst du es: Verbinde jedes Feld über das for-Attribut mit einem sichtbaren .
  • Gib bei Fehlern klaren Text aus – „Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein" – statt nur das Feld rot zu färben.

6. Fehlende oder durcheinandergewürfelte Überschriften-Struktur

Screenreader-Nutzer springen oft von Überschrift zu Überschrift, um eine Seite zu erfassen. Wenn Überschriften nur visuell „groß und fett" gestaltet sind, aber keine echten

bis
sind, oder wenn Ebenen übersprungen werden, geht diese Orientierung verloren.

  • So behebst du es: Verwende eine logische Hierarchie: eine

    pro Seite, darunter

    für Hauptabschnitte,

    für Unterpunkte. Größe regelst du über CSS, nicht über die falsche Ebene.

7. Nichtssagende Linktexte

„Hier klicken" oder „mehr erfahren" sind aus dem Kontext gerissen wertlos. Screenreader können sich alle Links einer Seite als Liste vorlesen lassen – zehnmal „mehr erfahren" hilft niemandem.

  • So behebst du es: Schreibe Linktexte, die auch allein verständlich sind: „Leistungen ansehen" statt „mehr".

8. Videos ohne Untertitel, fehlende Sprachauszeichnung

Audio- und Videoinhalte brauchen Untertitel, damit gehörlose Menschen sie nutzen können. Und im -Tag fehlt erstaunlich oft das Attribut lang="de" – ohne das spricht der Screenreader deutschen Text womöglich mit englischer Aussprache vor.

  • So behebst du es: Setze lang="de" und hinterlege bei Videos eine Untertitelspur.

Wie du systematisch vorgehst

Ein automatischer Scanner (etwa axe oder unser eigenes Tool) findet rund die Hälfte dieser Probleme zuverlässig – Kontraste, fehlende Alt-Attribute, fehlende Labels. Die andere Hälfte erfordert einen manuellen Test: Tastatur-Durchlauf, Screenreader-Stichprobe, Blick auf die Logik. Verlass dich also nicht allein auf ein grünes Tool-Ergebnis.

Sei ehrlich zu dir selbst über den Umfang: Für eine kleine Visitenkarten-Website reicht es oft, diese acht Punkte sauber abzuarbeiten. Wer rechtlich unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) fällt – etwa Online-Shops oder bestimmte Dienstleistungen – sollte das Thema strukturierter und mit dokumentiertem Test angehen. Die meisten Fehler sind aber kein Hexenwerk, sondern Sorgfalt im Detail.

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